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Von der Weichsel an die Donau
 

Mit dem Rad auf Kultur- Natur- und Fitness-Tour

Ich war auf Kur! Das sage ich scherzhaft zu den Zeitgenossen, die mich freundlich-interessiert fragen, wo ich mich denn in diesem Sommer rumgetrieben habe. Genauer gesagt waren wir zu dritt. Zwei Wochen auf einem Kultur- Natur- und Fitness-Trip, mit Rad und Zelt. Wir – das sind unser Zweiter Vorsitzender Richard Vogel, Karl-Heinz Steidl und der Schreiber dieser Zeilen. Kur deshalb, weil wir uns nach unseren Unternehmungen stets um Jahre jünger fühlen, etliche Kilos Fett verbrannt haben und mental gestärkt in den Alltag zurückkehren. Dass bei einem von uns der „Äquatorumfang“ deutlich unter die Alarmgrenze von 102 Zentimeter sank, bei einem anderen aber – mangels Masse – fast konstant blieb, hat wohl mit dem ererbten „Wirkungsgrad“ bei der „Futterverwertung“ zu tun. Auch unser dritter Mann hat seine anatomische Besonderheit. Von hinten ein Adonis, wölbt sich bei ihm ein, dem Parkstein nicht unähnlicher Spitzkegel, je nach Füllungsgrad zum Bug. Im Spurt ist er allemal der Schnellste. Dass wir drei so verschiedenen Typen dennoch hervorragend harmonieren, zeigt die Tatsache, dass dies schon unsere zwölfte gemeinsame Tour war. Wer sich für die Zuordnung der Charaktere interessiert, dem sei die Monatsversammlung am 9.10. empfohlen. Dort werden in einem etwa 50-minütigen Vortrag Bilder dieser Reise gezeigt.

Glaube ist „in“

Joannes Paulus Magnus steht unter dem Bild aus dem Carol Woytila würdevoll in die Runde der Besucher blickt. In Polen ist man stolz auf den Vorgänger von Benedikt XVI. Das Collegium Maius in Krakov (Krakau) hat mit der Bildunterschrift wohl die Volksmeinung widergegeben nach welcher der „Karl der Große“ im Land der Marienverehrung schon jetzt Heiligenstatus besitzt. An Feiertagen sind die katholischen Kirchen hier voll. Die Friedhöfe übertreffen an Blumenpracht alles bisher Gesehene. Und auch auf den Nachbarn, die Slowakei, strahlt das Glaubenswunder aus. In Bytica an der Vah (Waag) standen die Gläubigen am ersten Sonntag im August bis vor die Kirchentür um Gottesdienst – per Lautsprecher nach außen übertragen – zu feiern. Liebevoll und üppig geschmückte Mariensäulen sind dutzendweise an jeder beliebigen Landstraße zu bewundern. Jahrhundertealte facettenreiche Kultur hat vor allem Krakau zu bieten. Mit den „Orland-Bus“ von Regensburg (So ab 19.20 Uhr) dorthin ist es eine nicht sehr kurze (etwa 16 Stunden) aber umso preisgünstigere (57 €) Reise – Fahrrad in der Bikebox inbegriffen. Für Kulturliebhaber und Leute, die ein historisch gewachsenes, weltstädtisches Ambiente lieben, ist Krakau eine wirkliches Mekka.

Unsere Route führte von Krakau nach Südwesten in die Slowakei. Die Landschaft in den Beskiden ist der im Oberpfälzer- und Bayerischen Wald nicht unähnlich - ein ständiges bergauf, bergab. Die Straßen sind gar nicht so schlecht und der Verkehr auf den Nebenstraßen schwach. Auffällig die vielen neuen schmucken Einfamilienhäuser draußen auf dem Lande. Die Grundstücke sind oft von überdimensionierten fast schon protzigen Einfriedungen eingerahmt. Die Polen packen zu. Das sieht man allerorten auch wenn der eine oder andere Landwirt sein Getreide noch mit dem Pferdewagen nach Hause fährt. Die Passstraße hinauf zur slowakischen Grenze ist nagelneu, desgleichen die vielen touristischen Einrichtungen in dieser Wintersportregion. Auch die Slowakei präsentiert sich im Aufschwung und mit wunderschöner Landschaft. Von fern grüßt die Hohe Tatra. Wir besuchen die mit etwa 1700 m deutlich niedrigere Fatra. Schneekanonen und Lifte zeugen vom boomenden Tourismus. Auch im Sommer ist hier eine Menge los. Wandermöglichkeiten gibt es genügend. Der Talort Terchova ist voll von Menschen aus Europa und Fernost. Noch kann man hier zu dritt in einer hotelähnlichen Hütte für 22 Euro übernachten. Die halbe Bier kostet 80 Cent und ein gutes Essen 3-4 Euro. Entlang des Flusses Vah mit seinem riesigen Stausee können Badelustige und Angler ihrem Hobby frönen. Wir biegen ab nach Nordwest und erreichen über einen weiteren Pass die Tschechische Republik. Auch „dort hinten“ ist die Welt nicht zuende. Es ist durchaus eine Region für einen billigen, landschaftlich reizvollen Wanderurlaub. Man meide aber Zentren wie die Industriestadt Zlin. Ein besonderes „Schmankerl“ ist der Böhmische Karst bei Blansko nördlich von Brno (Brünn). Eine enge Schlucht mit Tropfsteinhöhlen erinnert an unsere Fränkische Schweiz. Kulinarisch wurden wir dort öfter in schmucken neurenovierten aber urig gebliebenen Wirtshäusern verwöhnt. Für Romanik-Liebhaber ist Trebic eine erste Adresse. Die dortige Basilika ist absolut sehenswert.

Wir biegen ab nach Süden. Über Mährisch-Budweis (Mosavske Budejovice) geht es nach Drosendorf in Österreich. Die erste Einkehr beschert uns einen Preisschock. Die Eurozone präsentiert sich als Teuroland – mindestens 3x so viel zahlen wir hier für die gleiche Leistung! Von Horn nach Krems an der Donau führt ein hübscher Radweg. Gleich am Eingang ein Einkehrschwung in einen „Buschenschank“. Danach – beschwingt vom Grünen Veltliner – hoch hinauf zum letzten Zeltplatz mit Blick über die Donau. Anderntags mit der Bahn in die Heimat.


Autor: Wolfgang Meierhöfer
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