| Extreme
Abenteuer bestanden
„Huberbuam“ sind die aktuellen
Stars der Bergsportler – Vortrag im Kettelerhaus
Tirschenreuth. (eie) Er verbeugte sich tief
vor seinem Publikum. Dankbar nahm Diplom-Physiker Alexander
Huber (38) aus Traunstein den nicht enden wollenden Applaus
der gut vierhundert Zuschauer in der Tirschenreuther Kettelerhalle
entgegen. Dabei hätten die Leute nach seinem Vortrag
am Mittwochabend am liebsten selbst ganz tief den Hut vor
dem Extrembergsteiger gezogen – wenn sie denn einen
aufgehabt hätten.
“Der ist ja besser als der Messner oder
der Kammerlander”, kommentierte ein Gast aus Weiden
– selbst renommierter Bergsteiger seiner DAV-Sektion
– die ins Bild gesetzten Leistungen. Ganz begeistert
war auch Sabine Schertler (14) vom Stiftland-Gymnasium. Sie
gehört zur Klettergruppe ihrer Schule. „Fantastisch,
fast unglaublich, dass so etwas möglich ist“, sagte
sie. Mit nach Hause nimmt sie „noch mehr Motivation,
diesen Sport zu perfektionieren“ und die Überzeugung,
„dass man sich immer neue, höhere Ziele stecken
sollte“.
Meister der Vertikalen
Mit Alexander Huber hatte die Sektion Karlsbad
des Deutschen Alpenvereins einen Referenten engagiert der
schon lange – oft zusammen mit seinem Bruder Thomas
– die Vortragssäle füllt. Jugendreferent Michael
Schornbaum freute sich bei der Begrüßung des prominenten
Gastes denn auch über das riesige Publikumsinteresse
der Nordoberpfälzer Kletterer und Bergfexe.
Der gelernte Physiker Huber ist zwar Profibergsteiger
geworden. In der Ausübung dieses Berufes steckt dennoch
auch ein Physikertraum – die Überwindung der Schwerkraft.
Und hier haben die Huber-Brüder in der Tat Leistungen
erbracht, die weit über die der Altvorderen hinausgehen.
Mit einer schier unglaublichen Mischung aus Akrobatik, Athletik
und mentaler Stärke agieren sie als bergsteigerische
Allrounder. Klassische Expeditionen im Himalaya kombinieren
sie mit extremen Klettereien an den „big walls“
in Höhen von 6000 bis 7000 Metern Höhe. Kletterrouten
bis zum oberen zehnten Grad eröffnen sie im sonnigen
Kalifornien. Bei diesen „Rotpunktbegehungen“ werden
Haken ausschließlich als Sicherungs- und keinesfalls
als Fortbewegungsmittel verwendet. Wie sie sich auf millimeterbreiten
Quarzkristallen stehend und an fingenageldünnen Rissspuren
festhaltend am Granit des El Capitan im Yosemite-Valley nach
oben arbeiten, lässt einem Normalkletterer den Atem stocken.
Wenn sie dann noch 600 Vertikalmeter beim „speed climbing“
in einer Stunde und 51 Minuten hoch“rennen“ kriegen
nicht nur die große Augen, die dafür vier Tage
brauchen.
Nicht zu übertreffen ist die Herausforderung
bei den „free solo“ – Unternehmungen. Ohne
Sicherung in den höchsten Schwierigkeitsgraden in „todsicherem“
Abstand zum Boden zu klettern, erscheint dem Normalsterblichen
als bewusste Herausforderung des Schicksals. Alexander Huber,
der eine solche Route in 10 – 12 m Höhe im oberen
zehnten Grad „free solo“ bewältigt hat, verweist
auf die extreme Vorbereitung, die in solchen Fällen unbedingt
nötig sei und die dann die nötige Sicherheit gebe.
„Nur dann kannst du deine Angst in pure Konzentration
umwandeln“, sagt er und fügt hinzu „nur dann
schießt das Adrenalin - das dir die Spitze deiner Kraft
nehmen würde – nicht in dein Blut“.
Extrembergsteiger Alexander Huber
im NT-Interview
Alexander Huber (38) „ist einer der
wohl besten Bergsteiger der Welt“, schreibt Walter Theil
im Jahrbuch 2007 des Deutschen Alpenvereins. Dass dieser Superlativ
verdient ist, bewies der jüngere der bekannten „Huberbuam“
am Mittwochabend in der Tirschenreuther Kettelerhalle in seiner
Show „opera vertical“ überaus eindrucksvoll.
Aus diesem Anlass führte „Der neue Tag“ mit
Alexander Huber das folgende Interview.
NT: Herr Huber, Reinhold Messner
bezeichnet sich selbst als Grenzgänger? In Ihrem Vortrag
haben Sie mit einer spektakulären „free solo“
Kletterei im oberen X. Schwierigkeitsgrad auch den „absoluten
Grenzgang in meinem Leben als Kletterer“ gezeigt. Sehen
Sie sich in der Kontinuität des berühmten Bergsteigers?
Huber: Reinhold Messner hat sich seinerzeit
Ziele gesetzt, an die andere gar nicht zu denken wagten. Beispiele
dafür waren spezielle Routen am Nanga Parbat oder Mount
Everest. Auch die Besteigung ohne mitgeführten Sauerstoff
zählt dazu. Wir haben heute neue Ziele. Mit meiner „free
solo“-Begehung der Nordwand der Großen Zinne,
Freiklettereien an den „big walls“ oder die Route
durch die Westwand des Latok II auf über 6000 Metern
Höhe sehe ich mich durchaus in dieser Kontinuität.
NT: Im neuesten DAV-Jahrbuch kann man lesen,
dass Sie Ihre Projekte auch nach dem Geschmack des Publikums
auswählen. Wie ist das zu verstehen?
Huber: Das grundsätzliche Interesse
an einem Projekt liegt natürlich in meinem Geist. Ich
habe jedoch so viele Ziele im Kopf, dass sie gar nicht alle
realisierbar sein können. Bei der Auswahl achte ich daher
darauf, was für die Öffentlichkeit interessant sein
könnte.
NT: „free solo“ heißt
ja, dass Sie die Routen ohne jegliche Sicherung klettern.
Fürchten Sie nicht, dass durch solche Beispiele unbedarfte
Neulinge beim Nachahmen in lebensgefährliche Situationen
kommen können?
Huber: Also zunächst einmal sind mir
keine spektakulären Unfälle bei “free solo”
- Klettereien aus der letzten Zeit bekannt. Dann möchte
ich eines klarstellen: Ich mache so etwas nur mit extremer
und exzellenter Vorbereitung. Danach kann da nicht so einfach
ein Unfall passieren. Unwägbarkeiten gibt es natürlich
immer. Das Expeditionsbergsteigen fordert noch immer mehr
Opfer als diese Art zu klettern. Im Übrigen fühle
ich mich nicht verantwortlich für das was andere aus
meinem Tun für sich ableiten. Jeder hat seine eigene
Verantwortung für sein Leben.
NT: Womit können sich die nach Ihnen
kommenden Bergsteigergenerationen noch profilieren?
Huber: Der Weg ist noch weit nach
oben offen. Zur Zeit gibt es zum Beispiel im Himalaja noch
Ziele, bei denen kein Bergsteiger unserer Zeit eine Chance
hätte. Mit noch perfekter angepassten Körpern, perfekterem
Können und perfekterer Technik ließe sich da was
machen. Und reicht es etwa nicht, wenn jemand lebend aus einer
schweren Wand gesund wieder herausgekommen ist?

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