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Vortrag „Opera vertical“ von Alexander Huber am 29.11.06
 

Extreme Abenteuer bestanden

„Huberbuam“ sind die aktuellen Stars der Bergsportler – Vortrag im Kettelerhaus

Tirschenreuth. (eie) Er verbeugte sich tief vor seinem Publikum. Dankbar nahm Diplom-Physiker Alexander Huber (38) aus Traunstein den nicht enden wollenden Applaus der gut vierhundert Zuschauer in der Tirschenreuther Kettelerhalle entgegen. Dabei hätten die Leute nach seinem Vortrag am Mittwochabend am liebsten selbst ganz tief den Hut vor dem Extrembergsteiger gezogen – wenn sie denn einen aufgehabt hätten.

“Der ist ja besser als der Messner oder der Kammerlander”, kommentierte ein Gast aus Weiden – selbst renommierter Bergsteiger seiner DAV-Sektion – die ins Bild gesetzten Leistungen. Ganz begeistert war auch Sabine Schertler (14) vom Stiftland-Gymnasium. Sie gehört zur Klettergruppe ihrer Schule. „Fantastisch, fast unglaublich, dass so etwas möglich ist“, sagte sie. Mit nach Hause nimmt sie „noch mehr Motivation, diesen Sport zu perfektionieren“ und die Überzeugung, „dass man sich immer neue, höhere Ziele stecken sollte“.

Meister der Vertikalen

Mit Alexander Huber hatte die Sektion Karlsbad des Deutschen Alpenvereins einen Referenten engagiert der schon lange – oft zusammen mit seinem Bruder Thomas – die Vortragssäle füllt. Jugendreferent Michael Schornbaum freute sich bei der Begrüßung des prominenten Gastes denn auch über das riesige Publikumsinteresse der Nordoberpfälzer Kletterer und Bergfexe.

Der gelernte Physiker Huber ist zwar Profibergsteiger geworden. In der Ausübung dieses Berufes steckt dennoch auch ein Physikertraum – die Überwindung der Schwerkraft. Und hier haben die Huber-Brüder in der Tat Leistungen erbracht, die weit über die der Altvorderen hinausgehen. Mit einer schier unglaublichen Mischung aus Akrobatik, Athletik und mentaler Stärke agieren sie als bergsteigerische Allrounder. Klassische Expeditionen im Himalaya kombinieren sie mit extremen Klettereien an den „big walls“ in Höhen von 6000 bis 7000 Metern Höhe. Kletterrouten bis zum oberen zehnten Grad eröffnen sie im sonnigen Kalifornien. Bei diesen „Rotpunktbegehungen“ werden Haken ausschließlich als Sicherungs- und keinesfalls als Fortbewegungsmittel verwendet. Wie sie sich auf millimeterbreiten Quarzkristallen stehend und an fingenageldünnen Rissspuren festhaltend am Granit des El Capitan im Yosemite-Valley nach oben arbeiten, lässt einem Normalkletterer den Atem stocken. Wenn sie dann noch 600 Vertikalmeter beim „speed climbing“ in einer Stunde und 51 Minuten hoch“rennen“ kriegen nicht nur die große Augen, die dafür vier Tage brauchen.

Nicht zu übertreffen ist die Herausforderung bei den „free solo“ – Unternehmungen. Ohne Sicherung in den höchsten Schwierigkeitsgraden in „todsicherem“ Abstand zum Boden zu klettern, erscheint dem Normalsterblichen als bewusste Herausforderung des Schicksals. Alexander Huber, der eine solche Route in 10 – 12 m Höhe im oberen zehnten Grad „free solo“ bewältigt hat, verweist auf die extreme Vorbereitung, die in solchen Fällen unbedingt nötig sei und die dann die nötige Sicherheit gebe. „Nur dann kannst du deine Angst in pure Konzentration umwandeln“, sagt er und fügt hinzu „nur dann schießt das Adrenalin - das dir die Spitze deiner Kraft nehmen würde – nicht in dein Blut“.

 

Extrembergsteiger Alexander Huber im NT-Interview

Alexander Huber (38) „ist einer der wohl besten Bergsteiger der Welt“, schreibt Walter Theil im Jahrbuch 2007 des Deutschen Alpenvereins. Dass dieser Superlativ verdient ist, bewies der jüngere der bekannten „Huberbuam“ am Mittwochabend in der Tirschenreuther Kettelerhalle in seiner Show „opera vertical“ überaus eindrucksvoll. Aus diesem Anlass führte „Der neue Tag“ mit Alexander Huber das folgende Interview.

NT: Herr Huber, Reinhold Messner bezeichnet sich selbst als Grenzgänger? In Ihrem Vortrag haben Sie mit einer spektakulären „free solo“ Kletterei im oberen X. Schwierigkeitsgrad auch den „absoluten Grenzgang in meinem Leben als Kletterer“ gezeigt. Sehen Sie sich in der Kontinuität des berühmten Bergsteigers?

Huber: Reinhold Messner hat sich seinerzeit Ziele gesetzt, an die andere gar nicht zu denken wagten. Beispiele dafür waren spezielle Routen am Nanga Parbat oder Mount Everest. Auch die Besteigung ohne mitgeführten Sauerstoff zählt dazu. Wir haben heute neue Ziele. Mit meiner „free solo“-Begehung der Nordwand der Großen Zinne, Freiklettereien an den „big walls“ oder die Route durch die Westwand des Latok II auf über 6000 Metern Höhe sehe ich mich durchaus in dieser Kontinuität.

NT: Im neuesten DAV-Jahrbuch kann man lesen, dass Sie Ihre Projekte auch nach dem Geschmack des Publikums auswählen. Wie ist das zu verstehen?

Huber: Das grundsätzliche Interesse an einem Projekt liegt natürlich in meinem Geist. Ich habe jedoch so viele Ziele im Kopf, dass sie gar nicht alle realisierbar sein können. Bei der Auswahl achte ich daher darauf, was für die Öffentlichkeit interessant sein könnte.

NT: „free solo“ heißt ja, dass Sie die Routen ohne jegliche Sicherung klettern. Fürchten Sie nicht, dass durch solche Beispiele unbedarfte Neulinge beim Nachahmen in lebensgefährliche Situationen kommen können?

Huber: Also zunächst einmal sind mir keine spektakulären Unfälle bei “free solo” - Klettereien aus der letzten Zeit bekannt. Dann möchte ich eines klarstellen: Ich mache so etwas nur mit extremer und exzellenter Vorbereitung. Danach kann da nicht so einfach ein Unfall passieren. Unwägbarkeiten gibt es natürlich immer. Das Expeditionsbergsteigen fordert noch immer mehr Opfer als diese Art zu klettern. Im Übrigen fühle ich mich nicht verantwortlich für das was andere aus meinem Tun für sich ableiten. Jeder hat seine eigene Verantwortung für sein Leben.

NT: Womit können sich die nach Ihnen kommenden Bergsteigergenerationen noch profilieren?

Huber: Der Weg ist noch weit nach oben offen. Zur Zeit gibt es zum Beispiel im Himalaja noch Ziele, bei denen kein Bergsteiger unserer Zeit eine Chance hätte. Mit noch perfekter angepassten Körpern, perfekterem Können und perfekterer Technik ließe sich da was machen. Und reicht es etwa nicht, wenn jemand lebend aus einer schweren Wand gesund wieder herausgekommen ist?


Autor: Wolfgang Meierhöfer
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